Was ist Versionskontrolle?
Stell dir vor, du arbeitest wochenlang an einer Funktion – und plötzlich merkst du, dass du vor drei Tagen etwas kaputt gemacht hast. Ohne Versionskontrolle müsstest du manuell zurück. Mit Git kannst du zu jedem früheren Zustand deines Projekts zurückkehren.
Git ist ein Versionskontrollsystem: Es speichert jeden Änderungsschritt in deinem Projekt als sogenannten Commit, sodass du jederzeit sehen kannst, was sich wann und warum verändert hat – und von wem.
🔍 Die wichtigsten Git-Konzepte auf einen Blick
Die wichtigsten Git-Befehle – dein tägliches Handwerkszeug
Git wird über das Terminal gesteuert. Diese Befehle wirst du täglich verwenden:
Branches – parallel entwickeln ohne Chaos
Das Mächtigste an Git sind Branches. Statt direkt auf dem Hauptcode zu arbeiten, erstellst du einen eigenen Zweig – änderst dort, was du willst – und führst ihn erst dann zusammen, wenn alles funktioniert.
main / master
HauptzweigDer stabile Hauptzweig. Hier landet nur Code, der funktioniert und getestet wurde. Direkt auf main zu arbeiten gilt als schlechte Praxis.
feature/login-seite
Feature-BranchFür jede neue Funktion einen eigenen Branch. Mehrere Entwickler:innen können gleichzeitig an verschiedenen Features arbeiten, ohne sich gegenseitig zu stören.
fix/fehler-kontaktformular
Bugfix-BranchSchnelle Fehlerbehebungen ohne laufende Features zu unterbrechen. Nach dem Fix wird der Branch gemergt und gelöscht.
Gute Commit-Nachrichten sind Gold wert
Ein Commit mit der Nachricht „fix" hilft niemandem. Schreib stattdessen: „Kontaktformular: Fehlervalidierung für Telefonnummer hinzugefügt". In drei Monaten – oder wenn dein Kolleg nach dem Fehler sucht – macht das den Unterschied.
Git ≠ GitHub
Git ist das Werkzeug auf deinem Computer – das Versionskontrollsystem. GitHub ist eine Plattform im Internet, auf der du dein Git-Repository hochladen und mit anderen teilen kannst. Ähnlich wie Word dein Textverarbeitungsprogramm ist und Dropbox der Ort, wo du die Dokumente speicherst.
GitHub bietet darüber hinaus viele Team-Werkzeuge: Issue-Tracker, Code-Reviews, automatische Tests (GitHub Actions) und noch mehr. Fast jedes Open-Source-Projekt der Welt lebt auf GitHub.
🔍 Lokaler Rechner ↔ GitHub – der Synchronisierungszyklus
Pull Requests – Code-Review im Team
Ein Pull Request (PR) ist eine Anfrage, deinen Branch in den Hauptzweig zu mergen. Vor dem Merge schaut mindestens eine andere Person deinen Code an – das nennt sich Code-Review. Dabei werden Fehler gefunden, bessere Lösungen vorgeschlagen und Wissen geteilt.
Branch erstellen & committen
Du entwickelst dein Feature auf einem eigenen Branch und pushst es zu GitHub.
Pull Request öffnen
Auf GitHub öffnest du einen PR und beschreibst: Was hast du gebaut? Warum? Wie kann man es testen?
Code-Review durch Kolleg:in
Jemand aus dem Team liest deinen Code, kommentiert, schlägt Verbesserungen vor – oder genehmigt den PR.
Merge & Branch aufräumen
Nach der Genehmigung wird der Branch in main gemergt. Der Feature-Branch wird gelöscht. Sauber!
Gute vs. schlechte Commit-Nachrichten
- „Passwort-Reset-Funktion implementiert"
- „Fehler bei leerem Suchfeld behoben"
- „Produktseite für Mobile optimiert"
- „Datenbankverbindung auf Timeout 30s erhöht"
- „Tests für UserService hinzugefügt"
- „fix"
- „Änderungen"
- „asdfgh"
- „wip"
- „123"
Git bei adesso – der Alltag
Bei adesso arbeitet jedes Entwicklungsteam mit Git. Typischerweise hat jedes Projekt ein Remote-Repository auf GitHub oder GitLab. Jede neue Aufgabe (User Story) bekommt einen eigenen Branch, wird entwickelt, reviewed und gemergt. Das läuft täglich – manchmal mehrfach täglich.
Was ist Claude Code?
Claude Code ist ein KI-gestütztes Kommandozeilen-Werkzeug von Anthropic. Es kann deinen Code lesen, verstehen, verändern und erklären – direkt aus dem Terminal, integriert in deinen Entwicklungsablauf.
Moderne Entwickler:innen nutzen KI-Werkzeuge nicht als Ersatz für eigenes Wissen, sondern als intelligenten Assistenten: Er hilft dabei, schneller zu sein, Fehler zu finden und Dinge zu lernen, die man noch nicht kennt.
🔍 Was Claude Code kann – und was nicht
- ✔ Code erklären, kommentieren und dokumentieren
- ✔ Fehler (Bugs) analysieren und Lösungen vorschlagen
- ✔ Tests schreiben für bestehende Funktionen
- ✔ Code umstrukturieren (Refactoring)
- ✔ Neue Funktionen nach Beschreibung implementieren
- ✔ Mehrere Dateien gleichzeitig bearbeiten
- ✗ Kein Zugriff auf das Internet zur Laufzeit
- ✗ Kann sich irren – Ausgaben immer prüfen
- ✗ Kein Ersatz für das eigene Verstehen des Codes
- ✗ Sicherheitskritischen Code immer selbst reviewen
- ✗ Keine Passwörter, API-Keys oder Credentials teilen
Claude Code in der Praxis
Claude Code läuft im Terminal direkt neben deinem Code. Hier ein typischer Arbeitsablauf:
Effektiv mit KI kommunizieren – Prompt-Tipps für Entwickler
Die Qualität der KI-Antwort hängt stark davon ab, wie du fragst. Gute Prompts sind präzise, geben Kontext und nennen das Ziel:
So löst du es: Öffne die betroffene Datei, du siehst Markierungen wie
<<<<<<< HEAD (deine Version) und >>>>>>> branch-name (die andere Version). Entscheide, welchen Code du behalten willst, lösche die Markierungen, und mache dann einen neuen Commit. Soll ich dir die Datei zeigen?KI + eigenes Verstehen = unschlagbar
Die besten Entwickler:innen nutzen KI-Werkzeuge täglich – aber sie verstehen, was der generierte Code macht, bevor sie ihn übernehmen. KI beschleunigt die Arbeit; das eigene Verständnis sorgt dafür, dass gute Entscheidungen getroffen werden. Beides zusammen ist mächtiger als jedes Einzelne.